Schadstoffe im Kinderbuggy

Schadstoffbelastung bei Kinderbuggys

Schadstoffe im KinderbuggyIm Testbericht über Kinderwagen der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2010, wurden bei erschreckend vielen Kinderwagenmodellen erhöhte Schadstoffwerte der verwendeten Materialien festgestellt. Der Einbezug dieses Kriteriums sorgte dafür, dass zehn Kinderwagen in Endbenotung mit mangelhaft abschnitten. Im Februar 2015 wurde erneut ein Testbericht zu der Gebrauchstüchtigkeit der verschiedenen Modelle verfasst. Auch hier nahm man die Schadstoffbelastung genauer unter die Lupe.

  • Vorbildlicher Kombikinderwagen ohne jede Belastung!
  • Die meisten Kinderwagenmodelle sind schadstofffrei, nur noch zwei Modelle mit zu hohen Schadstoffwerten auf dem Markt!

Bei diesem Testbericht Anfang des Jahres musste die Stiftung Warentest nur noch zwei Modelle wegen Ihrer zu hohen Schadstoffbelastung mit mangelhaft bewerten. Die Kinderwagenhersteller scheinen sich Gedanken über die Verarbeitung der Materialen gemacht zu haben und nur noch solche mit geringer oder keiner Schadstoffbelastung zu verwenden. Die gefundenen Schadstoffe der beiden mangelhaften Modelle waren zum einen Naphthalin, ein aromatischer, polyzyklischer Kohlenwasserstoff, abgekürzt mit BAK, zum anderen kurzkettige Chlorparaffine.

Chlorparaffine gelten als künstliche Weichmacher und werden bei der Kunststoffverarbeitung eingesetzt. Bei Hautkontakt gelangen beide Schadstoffarten in den Körper und können dort Krebs erzeugen. Auch bei Erwachsen gelten diese Stoffe als krebserregend und eine Mutter kann diesen allein durch das Schieben des Wagens und den damit vorhandenen Hautkontakt über die Muttermilch an Ihr Baby übertragen.

Keine eindeutigen Regelungen der EU für Kinderbuggys

Zwar hat sich die Verarbeitung von schadstoffreichen Materialien minimiert, dennoch kann man nicht sicher gehen, dass alle Modelle schadstofffrei sind. Gerade bei Kinderprodukten sollte man als Eltern doch davon ausgehen können, dass diese Ihrem wohlbehüteten Nachwuchs nicht gefährlich werden können. Eltern gehen davon aus, dass gerade bei der Herstellung von Produkten für Babys oder Kleinkinder, aber auch bei Artikeln für ältere Kinder, darauf geachtet wird, dass keine gesundheitsschädlichen Stoffe oder solche, die im Verdacht stehen, der Gesundheit zu schaden, Verwendung finden.

Leider wurde diese Annahme durch den Bericht von Stiftung Warentest im Jahre 2000 widerlegt und führte zu großer Enttäuschung. Mittlerweile besserten die Hersteller nach, so dass im Test 02/2015 nur noch zwei Modelle durch zu hohe Schadstoffbelastung der Materialen auffielen.

Auch wenn die Enttäuschung der Testberichte gerechtfertigt ist, muss folgendes bedacht werden:

  • Die geringe Dosis der enthaltenen Schadstoffe sollte berücksichtigt werden
  • Die nachweisbaren minimalen Mengen können unter Umständen die Gesundheit beeinträchtigen, die Wahrscheinlichkeit ist jedoch gering

Gesetzliche Regelungen für Kinderbuggys

Man würde meinen, dass es unter den, für allerlei Kleinigkeiten herrschender EU – Richtlinien ganz selbstverständlich auch solche für die Verwendung von Schadstoffen bei der Herstellung von Kinderwagen gibt. Dies ist jedoch überraschenderweise nicht der Fall. Werden für einige Bereiche teilweise absolut sinnfreie Richtlinien verabschiedet, scheint sich diese Regelungswut im Bereich der Kinderwagenherstellung in Grenzen zu halten.

Doch gerade im Bereich der Verarbeitung von Materialen für Kinderartikel ist es wünschenswert, dass EU – Richtlinien für beispielsweise Obergrenzen der Schadstoffbelastung eingeführt werden. Sollten die Beamten sich nicht eher um die Regelung bei der Verarbeitung gesundheitsgefährdender Materialien bei Kinderwagen kümmern, als um die des Kreisverkehrs auf dem Land? Diese Regelung gibt es tatsächlich und kann schnell gegoogelt werden.

Leider gibt es keine starke Lobby, die sich dem Schutz von Babys und Kleinkindern widmet, da der kleine Bürger nur schwer zu ihnen nach Brüssel und Berlin vordringt. In anderen Lebensbereichen sorgen tausende Lobbyisten dafür, dass die Spitzenbeamten und Politiker die wichtigen Anregungen bekommen und entsprechende Richtlinien verabschieden. Bei der Spielzeug- und Kinderbekleidungsherstellung gibt es strenge EU – Richtlinien für den Vertrieb in der EU.

Auch bei der Babynahrung wird auf gesunde Herstellung geachtet. Babynahrung gehört zu den am strengsten kontrollierten Gütern in der EU. Wieso wird dann nicht auch bei der Kinderwagenherstellung genauer kontrolliert? Was bringt es, wenn ich beim Füttern meines Baby sichergehen kann, dass ich ihm etwas Gutes tue, bei der Wahl des Transportmittels aber nicht? Es wird Zeit, dass auch in diesem Bereich eine EU – Verordnung ausgesprochen wird.

Welche Schadstoffe wurden in Kinderbuggys gefunden?

Waren es im letzten Stiftung Warentest Testbericht nur noch zwei Schadstoffe, fielen im Test vor fünf Jahren und in den Untersuchungen anderer Institute noch weitere gesundheitsschädliche Stoffe auf:

  • Formaldehyd (Weichmacher)
  • Polyzyklische, aromatische Kohlenwasserstoffe
  • Flammenschutzmittel
  • Polyzyklische, aromatische Kohlenwasserstoffe (BAK)
  • Kurzkettige Chlorparaffine (Weichmacher)

Die beiden letzten Schadstoffe, deren Verwendung und Vertrieb seit 2015 in der gesamten EU verboten sind, wurden auch noch bei Modellen in dem Testbericht 02/2015 gefunden.

Das generelle Verbot dieser beiden Substanzen bedingt selbstverständlich auch das Verbot der Herstellung und den Vertrieb von Kinderbuggys, die solche Schadstoffe enthalten. Dieses Verbot der allgemeinen Verarbeitung von Materialien, die mit diesen Stoffen belastet sind, ist natürlich schon mal der erste Schritt in Richtung Sicherheit, jedoch gibt es immer noch keine spezielle EU – Richtlinie für die Kinderwagenherstellung.

In welchen Materialien sind diese Schadstoffe enthalten?

Schadstoffe können sich in allen Kinderbuggy – Materialien verbergen. Sie können sich sowohl in den Materialien der Sonnenschutzvorrichtung, der Tragetasche, der Bezüge, ja sogar in den Schiebgriffen befinden. Unabhängig davon, wo die Schadstoffbelastung genau ist, stellt dies ein Problem dar, da entweder Sie oder Ihr Baby oder sogar sie beide mit allen Materialien in Hautkontakt kommen können.

Chemische Schadstoffe wirken sich gesundheitsschädlich aus, ohne dass Sie sie sehen oder bemerken. Im besten Fall erkennt man am Geruch der Materialien, dass es sich um hoch schadstoffbelastete Produkte handelt, die mit Naturprodukten nicht mehr viel gemein haben. Falls Sie beim Kinderbuggy Test bereits einen unangenehmen Geruch bemerken, lassen Sie besser die Finger von diesem Modell.

Gerade bei günstigen Kinderbuggys oder preiswerten Jogger Kinderwagen kann dies vorkommen, daher achten Sie bei billigeren Herstellern besonders auf den Geruch der Materialien. Unter den Markenherstellern ist uns bisher, bei den von uns getesteten Modellen, noch kein unangenehmer Geruch aufgefallen. Vielleicht kennen Sie den auffallenden Chemiegeruch ja von Billig – Modeketten.

Auch bei der Wahl Ihrer Kleidung sollten Sie von Waren, die chemisch riechen oder auch ganzen Läden, in denen der Geruch beim Hineingehen auffällt, die Finger lassen. Einen Teil möglicher Schadstoffe kann man minimieren, indem man neu gekaufte Artikel wie Ihre Bekleidung oder die Ihrer Kinder vor dem ersten Tragen in der Waschmaschine durchwäscht. Dies sollten Sie auch mit allen abnehmbaren Stoffen Ihres neu gekauften Kinderwagens machen. So ist die mögliche Gesundheitsgefährdung durch eventuelle Schadstoffe etwas eingrenzbar.

Wie gefährlich können Schadstoffe im Kinderbuggy sein?

Mittlerweile fallen glücklicherweise nur noch wenige Kinderbuggys in den Tests durch hohe Schadstoffbelastung auf. Die Gefahr für die Gesundheit durch Schadstoffe in Kinderwagenmaterialien ist somit kaum noch gegeben. Dennoch sollten Sie sich, bevor Sie einen Kinderbuggy kaufen, über eventuelle Auffälligkeiten in der Vergangenheit bezüglich des Schadstoffthemas dieses Modells informieren.

Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass gerade dieses Modell heute immer noch schadstoffbelastet ist. Die Hersteller, deren Modelle einmal in Tests negativ auffielen, bemühen sich anschließend besonders darum, dass Ihre Materialien schadstofffrei auf den Markt kommen. Speziell bei diesen Modellen herrschen also höhere Qualitätskontrollen. Die meisten Materialien für die Kinderwagen, die in Deutschland verkauft werden, werden günstig im Ausland hergestellt.

Gerade diese Lieferanten wie beispielsweise aus China, müssen besonders überprüft werden um anschließend schadstofffreie Modelle herstellen zu können. Diese Überprüfungen aller Materialien und jeder Charge ist mit großem Aufwand verbunden, sodass die meisten Hersteller Ihren Lieferanten vertrauen, anstatt alles zu überprüfen. Die Hersteller, die bereits einmal den negativen Ruf der Schadstoffbelastung hatten, nehmen eher den Aufwand genauer Kontrollen in Kauf, um sich wieder eine gute Stellung auf dem Markt zu erkämpfen.

Es ist also hochwahrscheinlich, dass gerade diese Hersteller anschließend besonders sichere Modelle auf den Markt bringen. Schließen Sie daher aus Ihrer Wahl nicht die, in der Vergangenheit negativ aufgefallenen, Hersteller aus, im Gegenteil, diese empfehlen wir Ihnen!

Wie ist es bei Öko – Kinderbuggys?

Nun könnte man auf den Gedanken kommen, die Gefahr der Schadstoffbelastung zu umgehen, indem man auf einen Öko – Kinderwagen zurückgreift. Zwar haben Sie dann mit Sicherheit einen perfekt schadstofffreien Kinderbuggy, jedoch müssen Sie dann mit anderen Einbußen rechnen. Die Öko – Kinderbuggys schnitten im Test der Stiftung Warentest und anderen Tests nicht gerade gut in punkto Funktionalität und anderen Eigenschaften ab. Was bringt es dann, wenn man viel Geld ausgibt, um schadstofffreie Materialien zu haben, die wohlgemerkt die meisten anderen Hersteller auch verwenden, um dann einen schlecht konzipierten Wagen in der Gestaltung und der Anwendung zu haben? Richtig, nicht viel.

Bevor Sie sich also einen Öko – Kinderbuggy zulegen, weil Ihnen Schadstofffreiheit wichtig ist, informieren Sie sich doch erst in unserem Kinderbuggy Test über die Qualität der anderen Faktoren. Keiner der von uns getesteten Kinderbuggys ist bei anderen Untersuchungen durch eine hohe Schadstoffbelastung aufgefallen, da können Sie sich sicher sein. Dennoch ist zu beachten, dass weder wir, noch die Öko – Kinderwagenhersteller die Versicherung geben können, dass das gekaufte Produkt tatsächlich hundertprozentig schadstofffrei ist.

Resümee

Sicherlich sollte die Schadstoffbelastung beim Kinderbuggy kaufen berücksichtigt werden, dennoch wird das Thema bei allen Produkten ziemlich hochgespielt. Natürlich wünscht man sich idealerweise absolut schadstofffreie Artikel, unabhängig davon, ob man sie für sich oder sein Kind nutzt. Andererseits fallen die Schadstoffbelastungen bei Artikeln in der EU meist so gering aus, dass man nicht wirklich von einer Gesundheitsbelastung sprechen kann. Auch wenn eine geringe Menge an Schadstoffen gesundheitsschädliche Auswirkungen haben kann, sind die Mengen meistens noch unter denen, durch wissenschaftliche Institutionen festgelegte Grenzwerte, ab denen eine Gesundheitsbeeinträchtigung vorliegt.

Selbst wenn die Schadstoffmenge in dem einen oder anderen Modell die Grenzwerte überschreitet, so sind diese bei kurzzeitigem Kontakt unbedenklich und werden meist so schnell wieder vom Markt genommen, dass ein langer Hautkontakt gar nicht zu Stande kommen kann. Eine akute Gesundheitsgefährdung durch Kontakt mit schadstoffbelasteten Materialien ist also in der EU sehr selten. Dennoch sollten die Hersteller anstreben nur schadstofffreie Artikel auf den Markt zu bringen, um allen Eltern die Sicherheit zu geben, dass sie sich und Ihre Kinder nicht gefährden.